Prologue

12. August 2025

James Ian MacAnderson

Der Raum war dunkel, nur das rhythmische Surren des Projektors und das sanfte Klicken des Filmstreifens begleiteten die Stille. 

Weißes Licht brach durch das verchromte Objektiv, schuf Schatten, warf Erinnerungen an die Wand. 

Ich saß allein in der dritten Reihe. 

Meine Hände im Schoß, den Blick auf die flimmernde Leinwand gerichtet, als könnte ich zwischen den Bildern etwas erkennen, das sich der Sprache entzog.


Der Film war alt, stumm, brüchig – ein Relikt aus einer Zeit, in der Gefühle größer schienen

und Worte überflüssig. 

Doch genau das sprach mich an. 

Nicht die Geschichte selbst, sondern das, was zwischen den Bildern lag: 

das Unausgesprochene, das Ungesagte. 

Zwischen den Reihen saßen andere, Fremde, versunken in die flüchtige Welt vor ihnen.

Ihre Gesichter waren blass im Licht, 

Gesichter voller Geschichten, die niemand erzählte.


Die Menge verschwamm. Nur ein Gesicht blieb im Fokus.

Eine Frau – vielleicht Anfang vierzig. Die Kamera würde langsam heranfahren,bis die feinen Linien um ihre Augen sichtbar würden.

Ein Lächeln, kaum da, und doch festgehalten, als wolle es etwas verbergen.

Freundlich.

Traurig.

Beides zugleich.

Ein kaum wahrnehmendes Glitzern in den Wimpern –Tränen, so vorsichtig, dass sie fast unsichtbar waren.

Fast.